„Wir sind auch zum Konsens fähig!“ Estnischer Botschafter besucht Rotary Club Plön
Nein, derart hohen Besuch erhält man nicht alle Tage. Der Botschafter eines europäischen Landes zu Gast beim Rotary Club Plön, das ist durchaus ein Ereignis, auf das der Club und seine Mitglieder stolz sein dürfen. Dementsprechend groß war das Interesse. Mehr als 200 Rotarier, dazu eingeladene Gäste vom Lions Club , sowie der Plöner Landrat und zahlreiche Vertreter der Gemeinden sorgten für einen angemessenen Empfang von Dr. Mart Laanemäe im Hotel Hohe Wacht in Hohwacht.
Die Botschaften des
Botschafters
Laanemäe
erwies sich als geistreicher Plauderer, der auch schwierigen Fragen nicht
auswich. So warb er für den Besuch seines Heimatlands, „auch wenn im Sommer
das Ostseewasser wärmer als die Luft ist“. Offen verwies er auf ökologische
Gefahren und Altlasten aus Zeiten der russischen Besetzung. 1940 war Estland
von der Sowjetunion annektiert worden und konnte erst 1990 die Souveränität
zurück erlangen. Seitdem hat sich – so die Botschaft des Botschafters -viel
geändert.
„Vor 25
Jahren hatte die Sprache eine große Bedeutung, denn Russisch war die Sprache
der Okkupanten. „Heute kann jeder sprechen wie er will“, berichtete der
Botschafter. „Wir sind wieder da, wo wir vor dem 2. Weltkrieg waren. Ich als
Diplomat muss drei Sprachen können. Dagegen muss ein Angestellter bei
McDonald’s in Tallinn vier Sprachen beherrschen.“
Durchaus
kritisch beleuchtete Laanemäe das neoliberale Wirtschaftskonzept seines Landes.
„Hier haben wir viele Fehler gemacht“, erklärte der im kanadischen
Vancouver geboren Diplomat. „Jahrelang haben wir viel zu schnell ein Gebäude
nach dem nächsten gebaut. Mit Beginn der Weltwirtschaftskrise hat sich dieser
Bauboom gerächt! Jetzt denken wir vorher mehr nach und versuchen, es langsamer
und klüger anzugehen!“
Wie wichtig
der Anschluss an moderne Informationstechnologien ist, machte der Botschafter
anhand eines Beispiels deutlich: Der Einführung einer ID-Karte für jeden
Bürger, mit der er fast alle Amtsgeschäfte online durchführen kann.
„Jeder
Einwohner Estlands ist mit einer Kennzahl legitimiert, sich im Internet frei zu
bewegen und die totale Vernetzung aller Systeme digital zu nutzen und
mitzugestalten. Diese "Schnittstelle zwischen Mensch und Rechner"
soll eine Barrierefreiheit in der digitalen Zivilgesellschaft möglich machen.“
Zwar habe es
auch in Estland Datenschutzbedenken gegeben, doch die Vorteile des digitalen
Personalausweises hätten alle Bürger letztlich überzeugt. „Wir streiten oft
so lange es geht, aber wir sind auch zum Konsens fähig“, so Laanemäe.
Hilfe zur Selbsthilfe
Bei
holsteinischem Grünkohl (natürlich mit Zuckerkartoffeln serviert) wurden die
guten Kontakte zwischen Deutschland und Estland im Gespräch vertieft.
Der
Botschafter reiste nicht mit leeren Händen wieder ab. Ein Scheck über 6000
Euro, die den Kauf eines Patienten-Diagnosemonitors für ein neues Krankenhaus
im estländischen Rakvere ermöglichen, war eines der Präsente, die Clubpräsident
Bernd Oldewurtel dem estnischen Botschafter mit auf den Weg geben konnte.
Oldewurtel erklärte das Ziel, beim Aufbau einer Partnervereinigung in Estland
zu helfen.