„Wir stehen auf der selben Seite!“ Präsidentin des Zentralrates der Juden besucht Rotary Club Plön
Was um alles in der Welt hat sie hierhin verschlagen? Eine Frage, die sich wohl der eine oder andere Landwirt gefragt haben wird, der mit seinem Traktor am Flairhotel Neeth in Dammdorf bei Preetz vorbeifuhr. Denn dort konnte er eine Frau aus einer Limousine aussteigen sehen, die er sonst nur aus Diskussionsrunden und Nachrichtensendungen des Fernsehens kennen dürfte: Charlotte Knobloch, oberste Repräsentantin der Juden in Deutschland.
Bernd Oldewurtel, dem
Präsidenten des Rotary Clubs im Kreis Plön, war die Freude anzusehen, als er
Charlotte Knobloch in Empfang nahm. „Eigentlich ist es ein kleines Wunder, dass
wir es geschafft haben, eine so hohe Vertreterin der jüdischen Gemeinden in
Deutschland hierher zu bekommen!“
Ein kleines Wunder, das
dem Engagement der Rotarier zu verdanken ist. Diese hatten sich in lebhaften
Diskussionen gefragt, ob sie genug tun, um Verständnis und Harmonie zwischen
den Völkern und Religionen zu fördern. Schließlich ist dies eines der
festgeschriebenen Ziele der rotarischen Bewegung.
„Es gestalte sich als
schwierig, einen Vertreter der größten jüdischen Gemeinde unseres Landes zu uns
einzuladen. Und da habe ich einfach an die Präsidentin des Zentralrates der
Juden in München geschrieben“, erklärte Oldewurtel.
Und tatsächlich: Charlotte
Knobloch überlegte gar nicht erst lang. Sie sagte zu und machte sich auf die
weitere Reise in den Kreis Plön. Hier berichtete sie über jüdisches Leben im
Deutschland von heute und stellte sich auch den Fragen der mehr als 100
Rotarier.
Sie blicke hoffnungsvoll
und mit großer Zuversicht in die Zukunft“, erläuterte Knobloch. „Ein selbstbewusstes
Judentum moderner Prägung habe sein Schneckenhaus geöffnet und sei bereit zum
Dialog". Sie selbst fühle sich in Deutschland zuhause und habe sich bei
der Eröffnung des Jüdischen Gemeindezentrums in München entschlossen, ihre
" Koffer endgültig auszupacken" und hier in Deutschland zu bleiben.
„Mehr als 120.000 Juden
leben heute wieder in Deutschland. Vier Mal mehr als noch vor 20 Jahren!“,
verdeutlichte die Zentralratsvorsitzende. Doch Knobloch machte auch ihre Sorgen
deutlich.
„Die deutschen Juden leben
in unserem Land als Deutsche! Und doch löst der Anblick einer jüdischen
Kopfbedeckung hier oft noch mehr Diskussionen aus als der Anblick einer voll
verschleierten Frau mit Burka!“
Eindringlich warnte
Charlotte Knobloch vor einem sich unterschwellig verbreitenden Antisemitismus,
der ohne Springerstiefel und Glatze daherkomme: „Dabei wird nicht – was völlig
in Ordnung ist – die Politik der israelischen Regierung kritisiert, sondern die
Juden insgesamt! Das ist gefährlich!“, so Knobloch, die forderte, die
Diskussionen um Schuld und Scham zu beenden, statt dessen über Verantwortung
und Gemeinsamkeiten zu sprechen. „Wir deutschen Juden und das deutsche Volk
stehen auf derselben Seite. Was wir brauchen ist mehr Empathie und Dialog!“ Sie
betonte, die jungen Deutschen könnten zu Recht stolz auf ihr Land sein und
lobte den gesunden Patriotismus, der z.B. gerade jetzt bei der
Weltmeisterschaft sichtbar werde.
Auch kritischen Fragen
stellte sich die Präsidentin des Zentralrates der Juden. Dabei erklärte sie,
dass jede demokratische Regierung der Welt, auch die israelische, kritisiert
werden dürfe. „Diskussionen über den Gaza-Konflikt oder die Seeblockade gibt es
doch auch unter deutschen Juden und auch in Israel!“, erklärte Charlotte
Knobloch, bevor sie sich zurück auf den Weg ins ferne München machte.
Dem Rotary-Club Plön
dankte sie für seine Bereitschaft, die Integration der Juden in Deutschland zu
fördern und mitzuhelfen, Ausgrenzungen zu beenden und wirkliches Miteinander
der Völker und Religionen zu fördern.Knobloch:
„Dieser ernsthafte Wille und Ihre Bereitschaft waren es, die mich davon
überzeugt haben, Sie im Kreis Plön besuchen zu wollen!“