Die Ersatzomas vom „Ost-West-Treff“ Plöner Rotary-Frauen sorgen für eine gelungene Integration
Plön - Im Bereich des Plöner Ölmühlengebietes leben viele Aussiedler aus der früheren Sowjetunion und nicht jeder ist in seiner neuen Heimat angekommen. Beispiel: Viele Jugendliche sprechen untereinander ganz bewusst russisch, um sich abzugrenzen.Es gibt aber auch Gegenbeispiele: Den Plöner Rotary-Frauen ist es beispielsweise mit einem „Ost-West-Treff“ gelungen, Menschen in Plön zu integrieren. „Alle haben in der Plöner Gemeinschaft ihren Platz gefunden“, zieht Elisabeth Zastrow von den Rotarier-Frauen nach fünf Jahren Bilanz. 15 Frauen haben sich seitdem regelmäßig getroffen. Alteingesessene Plönerinnen und Neu-Plönerinnen.
Da das Ziel erreicht war, sollte der Gesprächskreis eigentlich aufgelöst werden. Doch die Gruppe wollte noch ein weiteres Stück zusammengehen. Sie kam auf eine neue Idee: Die Frauen springen einmal im Monat als „Oma“ im Kindergarten Regenbogenhaus ein und betreuen eine Nachmittagsgruppe. „Das finde ich ganz toll“, urteilte Kindergartenleiter
Christoph Kohrt über die unerwartete Verstärkung. Für die Kinder sei das der
Großmutter-Effekt.
Auch die aus Kasachstan stammende Nelli Hochgurt fühlt sich
mit den Jungen und Mädchen beim Basteln und Spielen wohl. „Ich habe mich gleich
verliebt in Plön.Die Stadt ist gemütlich und schön“, sagt die 68-Jährige über
ihre neue Heimat, wo sie seit zwölf Jahren mit ihrer Familie lebt. Sie freut
sich über Bekannte und Freunde, die sie kennengelernt hat und gerne in der
Fußgängerzone trifft und spricht. Es gab Probleme am Anfang. Man kannte nur
wenig Menschen, fühlte sich fremd. Wegen ihres Alters war es schwierig, eine
feste Arbeit zu finden. Mittlerweile ist sie Rentnerin und kümmert sich
ehrenamtlich um den Weltladen der Kirchengemeinde. Auch ihr 27-jähriger Sohn
ist fest in die Gesellschaft eingegliedert, hat in Deutschland studiert und
arbeitet als Techniker für ein Telefonunternehmen. Ein Lebensweg, den nicht
alle seine Altersgenossen gegangen sind. Mit einem Lächeln sagt Nelli Hochgurt,
dass sie immer dem Norden treu geblieben sei: Nord-Sibirien, Nord-Kasachstan
und nun Norddeutschland.
Veröffentlicht
mit freundlicher Genehmigung der Kieler Nachrichten, vom 08.02.2009. Text und Bilder: Hans-Jürgen Schekahn